____________

1286017 Besucher

Corona aus der Sicht des Schulsozialarbeiters

Zunächst habe ich versucht, auch das Positive an der Schließung aus der Schule und der Heimarbeit zu sehen: Endlich Zeit, um in Ruhe den Jahresbericht fürs Rathaus zu schreiben und den Text für die neue Schulhomepage. Auch Fall- und Gesprächs- oder Projektdokumentationen konnten nun nachgeholt und aufgearbeitet werden, ohne alle paar Minuten für ein Klopfen an der Türe oder ein Gespräch unterbrechen zu müssen.

Aber nach und nach im Laufe der Wochen – mit mehr und mehr Berichten aus der Lehrerschaft über die interessanten neuen Lernformate und netten Nachrichten aus dem Schüler-Homeoffice an die Online-Lehrerinnen – häuften sich auch die Hinweise. Es gibt auch Schülerinnen und Schüler, von denen hört man gar nichts. Wie mag es denen ergehen? Kommen da die in den Medien immer wieder erwähnten schwierigen Situationen zusammen: Sorgen um den Job, beengte Wohnverhältnisse, keine Möglichkeit zur schulischen Unterstützung der Kinder, sprachliche Schwierigkeiten?

Mit Beginn des Chatunterrichts per Videokonferenz kam dann aus dem Kollegium der Wunsch auf, diesen Kommunikationslücken nachzugehen und sie zu schließen. Für die Idee, hier Hausbesuche durchzuführen, war ich sofort Feuer und Flamme – wieder Kontakt mit Klientel zu haben statt mit Computertastaturen, das war eine motivierende Aussicht!

Und so durfte ich in den letzten Wochen bei einigen Schülerinnen und Schülern unserer Schule und deren Eltern und Geschwistern zuhause einen Überraschungsbesuch machen. Ich war meist herzlich willkommen und erntete Dankbarkeit. Und konnte dabei viele Hemmnisse klären und aus dem Weg räumen oder Alternativen suchen – falsche Telefonnummern, fehlende Computerkenntnisse, nicht vorhandene Geräte. Oder Deutschkenntnisse, die nach nur wenigen Jahren in Deutschland noch nicht ausreichen, um lange Elternbriefe zu verstehen. Im direkten Gespräch sind Lernpläne oder Hygienevorschriften deutlich einfacher zu erfassen.

In den insgesamt drei Besuchsrunden zwischen Oster- und Pfingstferien waren die schönsten Momente sicher die, als ich einigen Kindern die Nachricht überbringen konnte, dass sie mit ihren Lernschwierigkeiten zuhause zu einer ersten kleinen Gruppe neben den Notbetreuungskindern und den Viertklässlern gehören, die schon vor den Pfingstferien wieder für einige Stunden pro Tag in die Schule dürfen. Nach sieben Wochen zuhause gab es kein Kind, das sich über diese Nachricht nicht gefreut hätte. Manche strahlten sogar über beide Ohren und reckten die Arme in den Himmel vor Freude! Endlich wieder Schule!

Gregor Adam (Jugendsozialarbeiter der Gemeinde)

adam-1

Comments are closed.