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Corona aus Sicht einer Mama

Ich bin eine berufstätige Mutter von 3 Kindern - einem Viertklässler, einer Zweitklässlerin und einem Kindergartenkind.

Und seit jetzt schon unglaublichen 6 Wochen bin ich im Homeoffice und nebenbei auch noch für Homeschooling und das Entertainmentprogramm meines Jüngsten verantwortlich. Nicht zu vergessen, fange ich die weggefallenen Koch- und Betreuungszeiten von Oma und Opa auf. Man wächst ja in jede Aufgabe hinein … ja wirklich?

Im Gegensatz zu meinen anfänglichen Bedenken, teilte mein Mann diese überhaupt nicht und startete noch am ersten Abend das familieninterne Kick-Off-Meeting zum Projekt „Corona“. Seitdem finden jeden Sonntagabend die „Projekt-Jour Fixe“ statt, bei denen ein Stundenplan für die kommende Woche erstellt wird. Neben den Arbeitszeiten von Mama und Papa sowie den Hausaufgabenzeiten der Kinder beinhaltet er aber auch Buchpräsentationen und Konzerte am Abend sowie einen wöchentlichen Spieleabend und einen Kinoabend. Ohne Corona hätte ich das alles verpasst!

So viel zur Theorie. Wie in jedem größeren Projekt, ergaben sich auch bei uns signifikante Plan/Ist-Abweichungen.

Während der Schulzeiten der Kinder ist, um ehrlich zu sein, an Arbeiten nicht zu denken. “Mama ich brauche dich – komm mal“ schreit es dauernd durchs Haus. Ich muss Experimentierpartner sein, Lernwörter diktieren oder einfach Sachen erklären. Und wenn auch Mama überfragt ist, helfen heutzutage Dr. Google, Wikipedia oder YouTube…. Auch ist dabei mein Mann keine wirkliche Hilfe, da dieser von einer Telefonkonferenz zur nächsten „jagt“. Froh bin ich auf alle Fälle, dass meine beiden Schulkinder noch in die Grundschule gehen. Unsere Lernpläne waren von Anfang an sehr strukturiert, abwechslungsreich und selbsterklärend. Seit den Osterferien haben beide Kinder mehrmals in der Woche zusätzlich Videokonferenzen. Sie fiebern diesen Terminen jedes Mal entgegen und freuen sich riesig, ihre Lehrerin und die Mitschüler endlich wieder zu sehen und sogar mit ihnen kommunizieren zu können. Auch jede Mail, jedes Telefonat oder jeder Brief, die aus der Schule kamen, haben unseren Kindern geholfen, die neue Lernsituation erträglicher zu machen. Das Neueste ist jetzt die für jede Klasse individuell erstellte Online-Pinwand. Diese werden wir bestimmt auch noch viel nutzen!

Gut ist auch, dass sich der Jüngste weitestgehend alleine beschäftigen kann. Und sei es, er rennt 100x mit seinem gebastelten Drachen durch den Garten. Dank der vielen Vorschläge vom Kindergarten mangelt es ihm auch nicht an Ideen, sich die Zeit zu vertreiben.

Die weggefallenen Freizeitaktivitäten führten anfangs zu einem ruhigeren Familienleben ohne Terminstress und viel Zeit für gemeinsame Outdoor-Aktivitäten, wie Fahrradfahren, Joggen oder Inlinern. Aber irgendwie sind die Kinder doch nicht ausgelastet. Es gibt oft Streit, wenn man die ganze Zeit nur unter sich ist und keine Freunde treffen darf.

Auch haben sich unsere Abende verändert. Durch das gemeinsame Abendprogram gehen die Kinder später ins Bett. Der dann verbleibende Abend wird oft noch vor dem Geschäfts-Laptop verbracht, um die nicht erledigten Themen des Tages nachzuarbeiten. Obwohl man die Zweisamkeit auch so dringend bräuchte, wo man jetzt doch praktisch immer die Kinder um sich hat.

Alles ist machbar. Es funktioniert auch irgendwie – an manchen Tagen besser, an anderen schlechter. Aber die Anfangseuphorie ist auf jeden Fall vorbei. Und so langsam wäre es schon mal wieder schön, ich könnte mit den Kollegen im Büro einen Kaffee zu trinken, währen die Kinder wohlbehütet und „professionell“ in der Schule und im Kindergarten betreut werden.

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