Demokratie hautnah erleben
icon.crdate09.06.2026
Wofür gibt es den Gemeinderat? Wie werden eigentlich Entscheidungen in einer Gemeinde getroffen? Und welche Themen werden gerade in Hemmingen heiß diskutiert? Diesen Fragen gingen die vierten Klassen bei ihrem Besuch im Hemminger Rathaus als "Juniorgemeinderat" nach.
An diesem Schulvormittag drehte sich thematisch alles passend zur aktuellen Haushaltslage und der Haushaltssperre der Gemeinde rund ums Sparen: Ein brandaktuelles Thema, das auch bei den Kindern oft diskutiert wird. Denn schließlich ist auch die Schule von den Sparmaßnahmen betroffen und die Schülerinnen und Schüler erleben selbst, dass nicht alles sofort angeschafft oder umgesetzt werden kann. Umso größer war ihr Interesse daran, herauszufinden, wie Entscheidungen über Geld und Ausgaben in einer Gemeinde getroffen werden.
Im Rathaus erwartete die Kinder ein abwechslungsreiches Programm. Besonders beeindruckend war der Plenarsaal, in dem sonst der Gemeindrat tagt. Dort durften die Kinder selbst Platz nehmen und in die Rolle von Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern schlüpfen.
Im Mittelpunkt stand eine nachgespielte Gemeinderatssitzung. Passend zur aktuellen Haushaltssituation der Gemeinde mussten die Kinder entscheiden, wo gespart werden könnte. Zur Auswahl standen Spielplätze, der sichere Schulweg, Vereine, Feste und Veranstaltungen sowie die Verschönerung des Ortsbildes.
Zunächst wurden die Schülerinnen und Schüler verschiedenen Parteien zugeteilt. In ihren Fraktionen berieten sie unter Anleitung jeweils eines Erwachsenen, entwickelten Standpunkte und sammelten Argumente. Schnell wurde deutlich, dass jede Gruppe andere Schwerpunkte setzte. Während einige den sicheren Schulweg als besonders wichtig ansahen, wollten andere lieber die Vereine unterstützen oder an anderer Stelle sparen.
Anschließend wurde im Plenum diskutiert – und zwar mit vollem Einsatz. Die Kinder vertraten ihre Meinungen überzeugend, lieferten starke Argumente und versuchten, die anderen Fraktionen von ihren Ideen zu überzeugen. Dabei wurde teilweise heiß debattiert und um jede Stimme gerungen. Die Stimmung kam einer echten Gemeinderatssitzung erstaunlich nahe.
Besonders spannend wurde es bei den Abstimmungen. Nicht immer war sofort klar, welche Vorschläge eine Mehrheit finden würden. Teilweise musste sogar eine Stichwahl entscheiden. Ob bei echten Gemeinderatssitzungen wohl auch am Ende einer Abstimmung gejubelt wird?
Am Ende waren sich alle einig: Dieser Vormittag war nicht nur spannend, sondern auch äußerst lehrreich. Die Kinder konnten Demokratie nicht nur kennenlernen, sondern direkt erleben und mitgestalten. Sie erfuhren dabei ganz praktisch, dass Demokratie bedeutet, unterschiedliche Meinungen anzuhören, Argumente abzuwägen und am Ende gemeinsam Entscheidungen zu treffen. In der Reflexionsphase äußerten sie sich, dass es ganz schön schwierig und anstrengend sei, das richtige zu wählen oder andere zu überzeugen.
Ein herzliches Dankeschön gilt Bürgermeister Herrn Schäfer, den Gemeinderätinnen und Gemeinderäten sowie den Mitarbeitenden des Rathauses, die sich extra Zeit für unsere vierten Klassen genommen haben und in drei "Schichten" jeweils 75 Minuten 30 Kinder angeleitet und begleitet haben. Durch ihr Engagement wurde Politik für die Kinder greifbar. Besonders hervorzuheben ist dabei die Gemeinderätin Rebecca Nell, die das neue Programm in Abstimmung mit der Schulleitung ausführlich, realitätsnah und kindgerecht ausgearbeitet hatte. Wir sind schon gespannt, welches Thema unsere Schülerschaft im nächsten Jahr erwartet.








